Rettung in luftiger Höhe - Forschungstestfeld als Trainingsplattform

Blaulichtorganisationen trainieren auf dem WINSENT Testfeld für den Ernstfall

Foto: ZSW | David Arzt

Ein elementarer Baustein zum Betrieb des Forschungstestfelds stellt die Arbeitssicherheit dar. Aus diesem Grund finden zusätzlich zu den jährlichen „Wiederholungsunterweisung PSA gegen Absturz & Rettung“ ebenfalls jährlich Begehungen mit Sicherheitsfachkräften statt. Darüber hinaus besteht ein enger Austausch mit den Fachkräften der Berufsgenossenschaft Elektrotechnik Textil Energie und Medien (BG ETEM).

Bei der Erstellung und Überprüfung des Rettungskonzepts kam der Gedanke auf, das Testfeld auch für Rettungstrainings zur Verfügung stellen zu können, welche sowohl den, bei einer Rettung involvierten, Blaulichtorganisationen als auch dem ZSW als Betreiber zugutekommen würden. Bei einem ersten Treffen Mitte 2025 diskutierten Vertreter der Integrierten Leitstelle (ILS) Göppingen, der Freiwilligen Feuerwehren von Donzdorf und Geislingen, der Bergwacht Geislingen-Wiesensteig, den Höhenrettungsgruppen der Feuerwehren Stuttgart und Ulm, sowie der Polizeihubschrauberstaffel Stuttgart im Beisein der BG ETEM und des ZSW unterschiedliche Trainingsmöglichkeiten und Szenarien bei einem vor-Ort Termin am Testfeld.

Mitte Oktober fanden am Forschungstestfeld WINSENT zwei Rettungstrainings der Berufsfeuerwehr Stuttgart statt. Beim ersten Termin wurde die Rettung von Personen aus der Nabe trainiert, was bei dem vergleichsweisen kleinen Bauraum der Nabe und Nabenverkleidung ein sehr mühsames Unterfangen darstellte. Das Ziel war es, die verunfallte Person entweder über die Nabe oder seitlich am gusseisernen Nabenkörper in das Maschinenhaus und am Getriebe und Steuerschrank vorbei zu dem Ort zu befördern, von dem aus der nächste Rettungsschritt über eine Luke in die Tiefe möglich wäre. Es wurden unterschiedliche Rettungsoptionen erprobt und Transporthalbschalen oder auch eine „Seilbahn“ eingesetzt.

Am 22.  Oktober 2025 trainierte die Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr Stuttgart gemeinsam mit der Polizeihubschrauberstaffel Stuttgart erstmalig in Baden-Württemberg den Anflug und die Rettung von den Maschinenhausdächern der beiden Windenergieanlagen des Forschungstestfelds WINSENT. Im Beisein von Vertretern der BG ETEM wurden An- und Abflüge bei Stellungen des Rotors in Y-Position und in der Stellung mit einem waagerechten Rotorblatt trainiert – jeweils mit dem Absetzen und Aufnehmen von Personen durch die am Hubschrauber installierte Seilwinde. Bei immer größer werdenden Nabenhöhen und Rotordurchmessern ist der Anflug von medizinisch geschulten Höhenrettern mithilfe eines Hubschraubers zu einer Windenergieanlage und die damit verbundene rasche Erste-Hilfe bzw. Erstversorgung eine Option für zukünftige Rettungseinsätze. Auch könnte der Abtransport vom Dach des Maschinenhauses Einzug finden in zukünftige Rettungskonzepte und -ketten.